Der deutsche Chemiesektor steht am Dienstag unter breitem Verkaufsdruck: JPMorgan bestätigt für BASF, Wacker Chemie, Evonik und Brenntag durchweg das „Underweight”-Votum – die BASF-Aktie verliert 1,82 % auf 48,275 €, Wacker führt das Minus mit −2,81 % auf 96,95 € an.
Das Wichtigste in Kürze
- JPMorgan dreht negativ: Analyst Chetan Udeshi sieht den strukturellen Gegenwind in Europas Chemiebranche wieder die Oberhand gewinnen, da der zuletzt nahostbedingte Kursauftrieb nachlässt.
- Brenntag als Lichtblick: Vorläufige Q2-Zahlen übertreffen klar, die Jahresprognose wurde angehoben – der Wert hält trotzt Abwärtssog weitgehend.
- Evonik doppelt belastet: Zur Skepsis der Analysten kommt der jüngst angekündigte Stellenabbau – mit Abstand der schwächste Wert auf Jahressicht.
JPMorgan: struktureller Gegenwind dominiert
In einer heute früh veröffentlichten Sektorstudie beließ JPMorgan alle vier deutschen Titel auf „Underweight” und zählt sie zu den am schwächsten eingeschätzten Werten im europäischen Sektor. Die Kernaussage von Analyst Udeshi: Sobald der durch den Nahost-Konflikt ausgelöste Kursschub verpufft, treten Energiekosten, schwache Nachfrage und gestörte Lieferketten wieder in den Vordergrund.
Brenntag: starkes Quartal trotzt dem Sektortrend
Gegen den Strom läuft einzig Brenntag (−0,17 % auf 53,65 €) – gestützt von vorläufigen Q2-Zahlen. Laut einer Ersteinschätzung von Jefferies erreichte der Chemiehändler ein operatives EBITDA von 450 Mio. € – ein Plus von 35 % gegenüber dem Vorjahr und rund 27 % über der Markterwartung von 353 Mio. €. Zugleich hob das Unternehmen die Jahresprognose an (Details unten).
Bemerkenswert ist die Kehrtwende: Im ersten Quartal hatte Brenntag die EPS-Prognose noch um rund 15,5 % verfehlt. Das Management bleibt laut Jefferies dennoch vorsichtig und verweist auf eine mögliche Nachfrageschwäche im zweiten Halbjahr.
Brenntag – angehobene EBITDA-Jahresprognose
| Operatives EBITDA (Jahr) | Spanne |
|---|---|
| Zuvor | 1.150–1.350 Mio. € |
| Neu | 1.250–1.400 Mio. € |
Evonik: Sparkurs verschärft die Stimmung
Bei Evonik (−2,25 % auf 15,67 €) trifft die Analystenskepsis auf ein hausgemachtes Belastungsthema: Rund um den 19. Juni 2026 kündigte der Essener Spezialchemiekonzern an, bis Ende 2029 weitere 3.200 Stellen zu streichen – etwa 10 % der Belegschaft. Trotz eines Q1-Ergebnisses über den Erwartungen verliert die Aktie auf Jahressicht knapp 14 % und ist damit das Schlusslicht im Vergleichsfeld.
Wacker und BASF: stark im Jahr, schwach am Tag
Wacker Chemie zeigt ein gespaltenes Bild: Trotz des heutigen Rücksetzers steht die Aktie auf Zwölf-Monats-Sicht über 54 % im Plus und hat den Sektor klar outperformt. Kurstreibende Neuigkeiten gibt es derzeit nicht – der Fokus liegt auf den Quartalszahlen Ende Juli.
BASF wiederum hatte im ersten Quartal überzeugt: Das EPS von 1,32 € übertraf die Prognose von 1,06 € deutlich, seit Jahresbeginn legte die Aktie rund 13 % zu. In den vergangenen 90 Tagen hoben vier Analysten ihre EPS-Schätzungen für das laufende Jahr an.
Sektor-Überblick
| Titel | Kurs | Tag | 52 Wochen |
|---|---|---|---|
| Wacker Chemie | 96,95 € | −2,81 % | +54 % |
| Evonik | 15,67 € | −2,25 % | −14 % |
| BASF | 48,275 € | −1,82 % | +13 %* |
| Brenntag | 53,65 € | −0,17 % | — |
*BASF: seit Jahresbeginn. Wacker-52-W-Hoch 105,60 €, -Tief 61,15 €.
Die Termine: Q2-Berichte im Blick
Bis zu den Ergebnispräsentationen dürfte der strukturelle Gegenwind den Ton vorgeben. Dann zeigt sich, ob die Evonik-Sparmaßnahmen greifen und BASF nach dem starken Q1 nachlegen kann.
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| Titel | Q2-Termin | EPS-Konsens | Umsatz-Konsens |
|---|---|---|---|
| BASF | 29. Juli 2026 | 0,815 € | 15,84 Mrd. € |
| Wacker Chemie | 30. Juli 2026 | 0,4043 € | 1,45 Mrd. € |
| Evonik | 4. Aug. 2026 | 0,4867 € | 3,72 Mrd. € |
| Brenntag | 12. Aug. 2026 | vorab übertroffen | — |